Promotionsprogramm ProArt
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LaborARTorium

Interdisziplinäres Symposium für Wissenschaftler und Künstler im Rahmen des Promotionsprogramms ProArt des Departments Kunstwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München

01.10.2013

Kunst forscht, aber wie? Ist Wissenschaft virtuos? Braucht Kunst Fußnoten? Forschung ist nach der Definition der UNESCO „jede kreative systematische Betätigung zu dem Zweck, den Wissensstand zu erweitern“ (Julian Klein). Aber was ist kreativ, was ist systematisch und wessen Stand, welches Wissens wird hier überhaupt verhandelt?

Kunst kann auf wissenschaftlicher Forschung aufbauen: Die Entwicklung neuer ästhetischer Verfahren geht Hand in Hand mit technisch-wissenschaftlichen Neuerungen, die sich in immer wieder neuen Medien und Materialien vom Buchdruck über die Camera obscura bis zum Synthesizer und zur Aerosoldose niederschlagen. Umgekehrt führen die Versuche, künstlerische Verfahren in wissenschaftliche Kontexte zu integrieren zum Nachweis der beruhigenden Wirkung klassischer Musik, aber auch zu kontroversen Fachdiskussionen um den sogenannten Mozart-Effekt. Jenseits dieses offensichtlichen Zusammenhanges können auch wissenschaftliche Methoden in künstlerische Prozesse übertragen werden, beispielsweise in den Experimental-Ästhetiken der historischen Avantgarden. Aber – um zur Ausgangsfrage zurückzukehren – wie forscht Kunst mit ihren eigenen Mitteln?

Welches Wissen wird in der Kunst produziert? Hat es eine spezifische Qualität, ist es ein fühlbares und gefühltes Wissen? Greift Baumgartens Unterscheidung zwischen sinnlicher und rationaler Erkenntnis noch? Und lässt sich dieses Wissen vom Werk oder vom künstlerischen Prozess trennen? Kann es kommuniziert werden oder wird es erst in der Rezeption generiert? Und kann der künstlerische Wahrnehmungsprozess in andere Darstellungsformen übersetzt werden?

Nach dem französischen Philosophen und Schriftsteller Alain Badiou ist Kunst ein Wahrheitsverfahren, das Wissen als singuläre und immanente Erkenntnis konstruieren kann. Diese Fähigkeit teilt sie nach Badiou mit der Wissenschaft, aber auch mit der Politik und der Liebe. Doch wo liegen die Grenzen, Differenzen, Schnittstellen zwischen Kunst und Wissenschaft? Und kann der Forschungsbegriff in diesem „Zwischen“ angesiedelt werden?

Welche Rolle spielen Konventionen und Institutionen bei der Festschreibung der Sphären von Kunst und Wissenschaft? Von der Alchemie über die Physiognomie und den Sozialdarwinismus bis hin zur extraterrestrischen Mineralogie zeigt sich immer wieder die Abhängigkeit wissenschaftlicher Disziplinen von ihren Epistemen. Tatsächlich ist die aufklärerische Differenzierung von Kunst und Wissenschaft konstruiert: Beispielsweise war die Grenze zwischen utopischer Poiesis möglicher Welten und Modellbildungen in der Zukunftsforschung, zwischen Dystopie und Katastrophenszenario, schon immer fließend. Wo kann also Wissenschaft künstlerisch werden, wo Kunst wissenschaftlich? Das Symposium will den Begriff Kunstwissenschaft wörtlich nehmen und die Frage stellen, wie Kunst und Wissenschaft in ihrem forschenden Tun vereint werden können.

Das Symposium spricht Promovierende der Geistes- und Naturwissenschaften sowie Künstler aller Sparten an. Die Teilnahme ist mit wissenschaftlichen Vorträgen und Performances, Ausstellungen etc. möglich. Besonders willkommen sind gemischte Formate, beispielsweise Lecture Performances.
Bitte reichen Sie wissenschaftliche, künstlerische oder gemischte Formate mit Konzept, Technical Rider und – wenn vorhanden – Videoaufzeichnung oder sonstiger Dokumentation ein.
Themenvorschläge für einen zwanzigminütigen, wissenschaftlichen Vortrag in deutscher oder englischer Sprache sind bitte als Abstract von max. 400 Wörtern in Form eines nicht geschützten PDF-Dokuments mit beigefügtem Lebenslauf einzureichen.

Alle Materialien sind bis zum 1. Oktober 2013 einzureichen unter:
laborartorium@lrz.uni-muenchen.de
Oder per Post an folgende Adresse zu schicken:

Ludwig-Maximilians-Universität München
Promotionsprogramm ProArt
Dr, Miriam Drewes
Zentnerstraße 31 (Raum 014)
D-80798 München

Tagungstermin: 6. bis 7. Dezember 2013
Deadline für die Einreichung von Abstracts: 1. Oktober 2013